Pfarrkirche Hagenberg

Die Pfarrkirche Hagenberg im Mühlkreis (Oberösterreich) wurde 1982/1983 nach den Plänen der Architekten Othmar Kainz und Gottfried Nobl unmittelbar neben der barocken Schlosskapelle erbaut. Ein unregelmäßiger achteckiger Zentralbau mit einem innen offenen Dachstuhl aus Holz zeigt unterschiedliche Dachschrägen, die durch Stufungen miteinander verbunden sind. Die römisch-katholische Pfarrkirche gehört zum Dekanat Pregarten in der Diözese Linz. Aufgabe der Umgestaltung war es, einige liturgische Bereiche zu ergänzen, beziehungsweise neu zu gestalten. Vorhandene unter Denkmalschutz stehende Gegenstände im Altarbereich wie der Altar, der Ambo und der Tabernakel sollten erhalten bleiben.

Bereiche der Neugestaltung:

  • Wandbild im Altarraum
  • Osterkerzenständer
  • Anlage für Opferkerzen
  • Marienbildnis
  • Bildhalterung für die Bilder der Täuflinge

Projektkoordination: Henny Liebhart-Ulm Realisierung: 2021

  • Das Behältnis für die heiligen Öle wurde bereits gestaltet und wird zu einem späteren Zeitpunkt umgesetzt.
  • Die Gestaltung eines Ortes für das historische Bild der „Heiligen Sippe“ ist in Planung.

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Mit der Neugestaltung der Pfarrkirche aus den 1980er Jahren sollten die verschiedenen bereits vorhandenen Zeitschichten sichtbar gemacht werden. Im Dialog mit der barocken Schlosskapelle gleich in der Nachbarschaft und mit Respekt vor den vorhanden historischen Objekten wie dem Barock-Taubbecken und einem Kruzifix aus dem 18. Jh. sollte die partielle Neugestaltung auch die Wünsche und Bedürfnisse der heutigen Gemeinde nach einem Andachtsbild der Maria und einer Anlage für Opferkerzen berücksichtigen.

Der Kirchenraum wird von Materialien wie dunklem Holz, Steinfliesen in verschiedenen Brauntönen, einem rauen Spritzputz an den Wänden und einer faszinierenden Deckenkonstruktion – ebenfalls aus Holz dominiert. Eine weitere Verwendung des Materials Holz schien mir daher nicht passend. Vielmehr sollten die jetzt verwendeten Materialien einen deutlichen Bruch mit den bereits vorhandenen Materialien vollziehen, zeitlich zur 1980er Jahre Architektur der Pfarrkirche passen und in Zurückhaltung einen Raum der Ruhe schaffen.

Bei einem meiner frühen Besuche in der Pfarrkirche Hagenberg beobachtete ich fasziniert die lebhaften Lichtspiele an Wänden und Boden des Raumes. Bestimmte Konstellationen einer Tageszeit, ein Lichteinfall ein kontemplativer Moment erweckte meine Aufmerksamkeit. Licht, Lichtbrechungen, die Vermischung von Tages- und Kunstlicht, das Beziehungsgeflecht von Mystik, Licht und Religion spielen in Kirchenarchitekturen – in den verschiedenen Kulturen und Epochen – eine bedeutsame Rolle. Mit dem Wissen um diese Bezüge, aber mehr noch meiner eigenen Faszination für Lichtphänomene und der Prozesse im Licht folgend, entwickelte sich in meinen Gedanken zu den Neuentwürfen immer mehr das Anliegen heraus, mit Lichtinszenierungen zu arbeiten.

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Für die Lichtbildprojektion im Altarbereich werden über zwei Scheinwerfer, für den Kirchenbesucher kaum sichtbar auf der Dachkonstruktion montiert, von links und rechts zwei abstrakte Bildmotive projiziert. In ihrer Überlappung in der Bildmitte entsteht ein drittes Bild. Inzwischen ist die Gemeinde der Projektion längst mit eigenen, sehr faszinierenden Assoziationen begegnet und hat meine ursprünglich angedachten Bezugsmomente individuell erweitert. Kontemplative, kreative Prozesse der Auseinandersetzung haben begonnen.

Die Projektion kommt ganz ohne herkömmliches Material aus und präsentiert sich allein über Licht. Materialität wird zurückgelassen.

Die weiteren neuen Objekte im Kirchenraum wie der Osterkerzenständer, die Opferkerzenanlage, das Marienbildnis und die Vorrichtung für die Bilder der Täuflinge werden sämtlich aus eher dezentem und zurückhaltenden Strukturglas gearbeitet, das in verzinktem Metall gefasst wird. Dieses Glas hat seinen Ursprung – passend zu einer Architektur aus den 1980er Jahren – in der industriellen Fertigung, wird aber handwerklich aufgewertet. In den Brennöfen der Klosterglaswerkstatt Schlierbach bekommt das Strukturglas seine ungleichmäßige individuelle Oberfläche.

Im Kirchenraum wird das wandernde Tageslicht in seinen unterschiedlichen Intensitäten und das künstliche Licht an den Glaskanten gebrochen, reflektiert und lässt das Glas in seiner transparenten Qualität aufschimmern. Das Kerzenlicht im Osterkerzenständer strahlt durch die Glaskanten verstärkt in den Kirchenraum. Ganz der christlichen Symbolik folgend steht nicht die Kerze im Mittelpunkt, vielmehr wird hier das Licht selbst gefeiert. In der Kunstgeschichte sind Lichtstrahlen ein Verweis auf das Wirken Gottes. Darüber hinaus wird Licht als Symbol des Lebens inszeniert – ohne Licht wären wir nicht.

Edgar Lissel